Artist Statement                                                                      back

 

Ein Garten ist das Abbild einer Vorstellung von der Welt und die Bühne einer Idee. Fortpflanzen, anpflanzen, weiterpflanzen sind stetes Entwickeln und Behaupten.

Meine Installationen sind Irritationen im Gewohnten. Dazu schaffe ich in unserem Umraum und Handlungsrahmen temporäre und vermeintlich alltägliche Orte, die auf den zweiten Blick jedoch fremdartig sind und Eigenständiges behaupten. Matroschka-Prinzip oder Vexierspiel - auf jeden Fall geht es um Abbilder und Entwürfe unserer Welten. Häufig suche ich Architekturbezüge, wie zum Beispiel in der Fotografie-Serie "Haushoch - Reihe Berlin" (2007). Die Fragen sind: Welche Strukturen und Muster umgeben uns, aus welchen können wir nicht hinaus, welche schaffen wir täglich neu?

Ich arbeite mit dem, was uns unscheinbar umgibt: Funde von der Straße, genormte Industrie-Behältnisse, Seile aus dem Schwimmsport, Schwarz-Weiß Kopien, Fotografien, Erde, Steine und Pflanzen. Nichts scheint realer und harmloser als ein Gewächs am Straßenrand und doch ist nichts so bizarr und leicht. Gewächse tauchen auf, verschwinden und erscheinen ähnlich wieder - ebenso wie Ideen, Dinge, Lebewesen und Systeme. Sie permutieren fortwährend und sind transitorisch.

Bei der Arbeit "Transplant - Hängende Gärten" auf der 5. Biennale in Gwangju, Südkorea (2004) verwendete ich Straßenrand-Vegetation (in unseren Gärten als 'Unkraut' bezeichnet), Gewebe-Taschen (sogenannte 'BigBags', wie sie Stein- und Erdhändler gebrauchen) und Erde aus dem Straßenbau. Absicht war, in der Biennale-Halle eine 'normale' wie absurde Situation zu erzeugen und die Verpflanzung einer Idee: Die erdgefüllten Gewebetaschen sind dem alltäglichen Bau-Prozess entnommen und stapeln sich (zusammen mit den koreanischen Wegesrand-Gewächsen) als bewegliche Module vor dem Betrachter auf.


Ilka Meyer

 

 

 


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